Vor meiner Schreibreise nach Paris habe ich erzählt Warum ich nach Paris fahre und was ich dort suche. Jetzt bin ich seit vier Tagen wieder zuhause in Kiel und kann erzählen, was ich dort gefunden habe. Einiges von dem, was ich suchte, aber noch viel mehr.
Gesucht und gefunden habe ich Schreibvergnügen in französischer Klangkulisse. Schreibabenteuer und Schreibanregungen. Darüber hinaus Schönheit. In Paris war so viel Schönheit um mich herum. Die Häuser, die Parks, das Essen. Fantastisches Essen; am besten war der Wolfsbarsch auf Grillgemüse und ein alkoholfreier Cocktail mit Goldstaub und Blick auf den Eiffelturm.
Und natürlich schreiben, schreiben und noch mehr schreiben. Allein und in der Gruppe mit wunderbaren Frauen: Bettina, Katharina und Susanne unter der wertschätzenden Anleitung von Christine.
Allein habe ich auf unzähligen Bänken, an der Seine, in Brasserien, im Park George Brassens, vor dem Marché de livre ancien et d’occasion, in der Bibliotheque Historique de la Ville de Paris und in der Hotelbar geschrieben. Und in der fantastischen Gruppe in einem wunderbaren Pariser Altbau, im Café des Maison de Victor Hugo und im Jardin du Luxembourg.
Christine leitet uns zum Gateless Writing an. Das ist eine spezielle Art des kreativen Schreibens. Christine beginnt mit einer kurzen Meditation mit Musik, am Ende dieser Einstimmung gibt sie uns einen Schreibimpuls. Dann schreiben wir 15-20 Minuten. Danach kommen wir wieder zusammen, lesen reihum unsere Texte vor und bekommen bestärkendes Feedback.
In einigen der Schreibsessions habe ich eine Spielart meines Schreibstils, die ich bisher wenig gelebt habe, wieder entdeckt. Ich habe sehr skurrile Texte mit Anklang an magischen Realismus geschrieben. Ein Feedback dazu war, deine Texte klingen wie Dali gemalt hat. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Überhaupt war das bestärkende Feedback aus der Gruppe wunderbar.
Im Gateless writing ist nur positives Feedback gefragt. Das Feedback bekommen ist wunderbar, genauso aber auch das Hören der ganz unterschiedlichen Texte mit den ganz unterschiedlichen Schreibstimmen. Ich fühle mich bereichert, reich beschenkt und beglückt.
Christine Kämmer habe ich 2021 kennengelernt, als sie mich zu meiner „52 Kurzgeschichten in 52 Wochen“-Challenge interviewt hat. Zu der Zeit hatte nicht nur die Welt Pandemie, sondern ich kam gerade aus einer schweren depressiven Episode und war auf dem Weg wieder gesund zu werden. Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich je wieder verreise. Die Paris-Reise war meine erste Auslandsreise, die ich allein gemacht habe, seit meiner depressiven Episode. Ich bin unendlich dankbar und glücklich, dass es mir wieder so gut geht.
Die Schreibreise nach Paris hat meinem Kreativbrunnen bis zum Rand gefüllt und ich habe 73 Seiten in meinem Paris-Reisetagebuch geschrieben. Ich bin erfüllt von all den wunderbaren Eindrücken aus Paris. Ich habe mehr gefunden, als ich gesucht habe. Die tiefe Paris-Sehnsucht, die in mir geschlummert hat, ist erfüllt.
Die Frau, die mich aus dem Badezimmerspiegel im Hotel angeschaut hat, strahlte Zufriedenheit aus. Tiefste Zufriedenheit. Sie war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Diese Zufriedenheit habe ich mitgenommen.
Jetzt bin ich neugierig und erwartungsvoll, was ich aus der Reise mitgenommen habe. Eine sichtbare Auswirkung war, dass ich gestern den ganzen Tag meinen Teil des Arbeitszimmers aufgeräumt habe. Ich möchte auch zuhause mehr Schönheit mich herum. Heute Morgen habe ich mich über die Ordnung und die neu arrangierte Deko auf meinem Schreibtisch gefreut.
Diesen Text schreibe ich allerdings im Stehen unter einer Linde im Schrevenpark, denn ich habe mit meinem Spaziergang so lange gewartet, bis es anfing zu regnen. Aber Regen hat mich in Paris auch nicht gestört, da habe ich unter einer Kastanie im Jardin du Luxembourg geschrieben.
