Während meiner Parisreise Anfang Juni haben wir als Schreibgruppe auch den Jardin du Luxembourg besucht. Dies ist mein Text, original wie in meinem Pariser Reisetagebuch, der unter einem Kastanienblätterdach mit Blick auf das pompös schöne Senatsgebäude und eine Gartenanlage mit Fontaine in der Mitte entstanden ist:
Im Jardin du Luxembourg auf einem der berühmten grünen Metallstühle. Sartre und de Beauvoir sind hier wohl spazieren gegangen. Und abermillionen Touristen. Den Garten gibt es wegen einer Ermordung. Nichts spektakuläres. War ein König. Das war im 17. Jahrhundert wohl Berufsrisiko. Oder eher Schicksalsrisiko.
Ein junges Paar rechts neben mir macht ein paar Selfies. Das Telefon steht an ihrer Handtasche auf einem der grünen Stühle. Sie bedient es über ihre Smartwatch. Sie küssen sich. Sie macht wieder auf ihrer Smartwatch. Dann steht sie an ihn gelehnt vor ihm. Im Hintergrund das Senatsgebäude.
Nichts ist romantisch an diesem Moment. Komplett inszeniert. Das Paar erscheint geübt, denn die beiden sind effizient. Keine zehn, eher fünf Minuten hat es gedauert. Und schon verlassen sie den Park. Sie sagt, wo es lang geht. Er nimmt den Schirm, den er an einen anderen grünen Stuhl gelehnt hatte, und geht hinterher.
Alles für den schönen Schein. Wann nehmen wir uns Zeit, den Moment zu fühlen? Uns zu fühlen?
Wir Schreibenden haben eine Stunde hier im Park. Das erscheint im Angesicht der Touristengruppen, durch den Park gehetzt von Guides …
Links neben mir. Ein älteres französisches Paar. Sie sitzen nebeneinander in den grünen Metallstühlen mit den zurückgelehnten Lehnen. Sie schauen. Sie reden. Sie schweigen.
Wie war es zu de Beauvoirs Zeiten? Waren damals schon so viele Touristen unterwegs? Wahrscheinlich waren in diesem Park schon immer viele Touristen.
Mir kam eine Gruppe Jogger*innen entgegen, als ich etwas abseitige Wege durch den Park ging. Ob sie die Touristen hassen? Wer spielt Tennis auf den Tennisplätzen hier im Park? Daneben eine Gruppe, die Tai Chi übt. Die Pariser*innen leben ihr Leben. Inmitten all der Tourist*innen.
Mir gefällt die Schönheit, die überall um mich herum ist. Schönheit entstanden aus einem Mord.
